Am 26.02.19, haben wir, die Klasse 10b, zusammen mit Frau Bächle und Herrn Milbich die ehemalige Synagoge in der kleinen Stadt Freudental besucht, die jedoch eine große und schreckliche Vergangenheit hat.

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Abbildung 1: Gedenktafel an der Synagoge in Freudental

In Freudental lebten von 1723 bis 1942 viele jüdische Bürger, heute kein einziger mehr. Damit befasst sich auch Herr Volz, der Leiter für Pädagogik und Kultur der ehemalgien Freudentaler Synagoge, der uns um 9 Uhr begrüßte. Unsere erste Aufgabe war es, die im Raum ausgestellten Negativen (Fotographien) anzuschauen. Die Fotos stammen von dem jüdischen Hobbyfotographen Erich Sonnenmann aus dem Jahr 1938, der zu dieser Zeit immer wieder in Freudental zu Besuch war, und dort die jüdischen Familien, ihre Gemeinschaft und ihre Arbeit auf den Feldern fotografierte, die allesamt sehr glücklich wirkten. Betitelt sind seine Werke mit „The last summer“ – Der letzte Sommer.

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Abbildung 2: Erich Sonnenmann (Fotograph)

Danach zog jeder von uns ein kleines Kärtchen mit einem Bild und einem kleinen Text mit dazugehöriger Jahreszahl. Dem Datum entsprechend ordneten wir die Kärtchen, bei denen es sich um Verbote und Gesetze für die jüdischen Bürger in Deutschland handelte, insgesamt von 1933 bis 1942. Bei vielen Verboten handelte es sich nur um „Kleinigkeiten“, wie zum Beispiel dem Schulausschluss, dem Verbot Vereinen beizutreten oder Haustiere zu besitzen. Auch Gesetze wie das Offenlegen seiner Vermögensverhältnisse oder einen weiteren Namen, wie Sara oder Israel, auf seinem Ausweis zu haben wurden festgelegt. Alle diese Dinge führten zum Kompletten Ausschluss der Juden aus der Gesellschaft und zu ihrer Verfolgung, wie uns Herr Volz mithilfe von den Kärtchen erklärte. Nach einer kurzen Pause erarbeiteten wir in kleinen Gruppen mithilfe von Berichten, Zitaten und Aussagen verschiedene Punkte eines Stadtrundgangs durch Freudental heraus. Herr Volz führte uns außerdem zu den meistbedeutenden Orten der Juden in Freudental, wie zum Beispiel zu dem sogenannten „Judenschlössle“, indem die Juden aus Freudental anfangs lebten, da es ihnen vom Stadtherr Freudentals bereitgestellt wurde, solange sie es sanieren und wieder bewohnbar machten. Vorbei an einem „Waschhaus“ mit Bach, in dem die Frauen einmal im Monat gebadet haben und wo die Juden auch ihr neues Geschirr spülten, damit es koscher war, weiter zu einem Haus, das dem ehemaligen jüdischen Besitzer um 1936 von seinem Knecht abgekauft wurde, bis zu dem kleinen Schloss, das ursprünglich Herzog Ludwig von Württemberg gehörte und in beiden Weltkriegen als Lazarett benutzt wurde. Die Gruppe, die die jeweilige Station erarbeitet hatte, erzählte über den Ort, das Zusammenleben der Juden früher und auch über die Gesetzesänderungen, wobei Herr Volz Details hinzufügte und genauer über die jeweiligen Orte mit deren Geschichte berichtete. Nachdem wir zu Mittag gegessen und uns über das damalige Leben in Freudental nochmals unterhalten hatten, liefen wir zum jüdischen Friedhof. Wie üblich, liegt dieser eher außerhalb der Stadt. Wir besprachen mit Herrn Volz und unseren Begleitlehrern bestimmte Symbole und deren Bedeutung, welche auf den Grabsteinen zu sehen war. Nach der Ankunft an der ehemaligen Synagoge, besichtigten wir die sogenannte Genisa-Ausstellung, welche sich üblicherweise auf dem Dachboden der Synagoge befindet und wo wichtige Dinge aufbewahrt werden.

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Abbildung 3: Klasse 10b und Begleitlehrer in der ehemaligen Synagoge

Dort sahen wir Lehr- und Lernmaterial, wie eine Schreibtafel, Gebetsgegenstände, einen Kalender, auf dem christliche und jüdische Feiertage eingetragen waren, die Mesusa, eine am Türrahmen befestigte Kapsel, und vieles mehr.

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Abbildung 4: beim Stadtrundgang durch Freudental

Bevor wir den Rückweg antraten, bedankten wir uns bei Herrn Volz für den lehrreichen Tag und für die Erkenntnis, dass man an der Vergangenheit nichts mehr ändern kann, jedoch man von allen Geschehnissen etwas lernen muss, um es in der Zukunft besser zu machen.

Ein Bericht von Vivien Strunz und Carolin Piesiur, 10b